Gustav Mahlers Fünfte und Doppelbildnisse:
Ein vielschichtiger Abschied von der Spielzeit
Wenn Musik zur Erzählform ganzer Lebenswelten wird, dann war der Juni in Essen ein Geschenk: Mit dem Festival Doppelbildnisse, das dem facettenreichen Leben und Wirken von Alma Mahler sowie Gustav Mahler gewidmet war, bot sich dem Publikum ein eindrucksvoller Bogen zwischen Musik, Kunst und Biografie.
Thorsten Stepath, Orchesterdirektor und stellvertretender Intendant der Essener Philharmoniker, begrüßte zahlreiche Kunst- und Musikliebhaberinnen zur letzten Veranstaltung des Freundeskreises der TuP in dieser Spielzeit – mit spürbarer Begeisterung: „Das Leben Alma Mahlers ist so vielschichtig, dass es in bedeutenden Werken seinen Ausdruck findet“, so Stepath.
Im Zentrum des Abends: ein Probenbesuch der 5. Sinfonie Gustav Mahlers im Alfried Krupp Saal der Philharmonie – seiner kraftvollen, vielschichtigen und zutiefst persönlichen Liebeserklärung an Alma. Ein musikalisches Erlebnis von gewaltiger Intensität.
Bereits im Vorfeld bereicherte ein Gespräch zwischen dem Direktor des Museum Folkwang, Peter Gorschlüter, und dem künstlerischen Leiter der Essener Philharmoniker, Thorsten Stepath, im RWE Pavillon das Publikum – kenntnisreich, tiefgehend und anregend. Auch die anschließende Fragerunde offenbarte großes Interesse und kluge Impulse.
Die über 100 Besucherinnen – darunter Mitglieder des Folkwang-Museumsverein e.V. und des Freundeskreises zeigten sich bewegt. Ein besonderes Erlebnis war der unmittelbare Einblick in die Probe, bei der Generalmusikdirektor Andrea Sanguineti mit Charme, Präzision und Esprit das Orchester dirigierte und leitete. Mit augenzwinkernden Kommentaren wie „Zigarette“, „bitte nasaler spielen“, „10 Prozent leiser“ oder „phänomenal, jetzt sind die Geigen ausbalanciert“ führte er die Musikerinnen konzentriert und unterhaltsam zugleich durch das monumentale Werk.
Eröffnet wurde das Festival bereits Ende Mai mit der Ausstellung Frau in Blau – Alma Mahler-Werfel und Oskar Kokoschka im Museum Folkwang – eine eindrucksvolle Annäherung an eine Frau zwischen Muse und Gestalterin.
Das Festival Doppelbildnisse, getragen von einer Vielzahl an Institutionen – darunter das Museum Folkwang, die Philharmonie Essen, die Theater und Philharmonie Essen (TuP) und weitere Partner – war ein seltenes Beispiel für eine spartenübergreifende Annäherung an biografisch geprägte Kunst. In Musik, Bild, Wort und Gespräch entstand ein vielstimmiges Porträt zweier außergewöhnlicher Persönlichkeiten.